Kürzlich war Chancengerechtigkeit in der NZZ ein Thema. Ich weiss nicht, vielleicht haben Sie auch den Beitrag von Prof. Eberle zum Thema Übertritt ans Gymnasium in den verschiedenen Kantonen gelesen. Dieser Übertritt — an einigen Orten eben mit Übertrittsprüfung, an anderen wie im Kanton Zug ohne — gestaltet sich uneinheitlich. Und überall, wo etwas uneinheitlich ist, ist der Ruf nach Chancengerechtigkeit nicht weit. Aber wissen wir immer auch, was tatsächlich besser ist? Welche Lösungen tatsächlich die besseren Chancen bereithalten für die Betroffenen?

Chancengerechtigkeit ist ein berechtigtes Anliegen, man begegnet ihm am besten auf der Ebene des Systems, auf der Ebene des Bildungssystems. Diese Chancengerechtigkeit hat die Schweiz mit der Öffnung der Berufsbildung durch die Einführung der Berufsmaturität, die Errichtung der Fachhochschulen oder auch durch die Möglichkeit, mittels Berufsmatura und Passarelle an die Universität zu gelangen mehr als erreicht. Heute gibt es keinen Abschluss ohne Anschluss. Der Aufstieg erfolgt entlang der momentanen Leistungsfähigkeit oder auch Motivation und wird vom Staat finanziert. Das ist Chancengerechtigkeit auf systemischer Ebene: Durchlässigkeit und Finanzierung, beides ist in der Schweiz gegeben.

Und viele junge Leute sehen, welche hervorragenden Möglichkeiten eine Laufbahn via Berufsbildung bietet.
70 % eines Jahrgangs starten eine Berufslehre. Für viele junge Europäerinnen und Europäer wäre es viel chancengerechter, ihre Heimatländer würden der dualen Berufsbildung und dem Nebeneinander von Berufs- und Allgemeinbildung mehr Aufmerksamkeit schenken.

Kurz: Chancengerechtigkeit entscheidet sich nicht beim Eintritt ins Gymnasium, sondern auf der Ebene des Systems, das viele Wege offen lässt, einen Aufstieg entlang der eigenen Fähigkeiten ermöglicht und keine Bildungsweiche für immer stellt. Das ist bei uns der Fall und ich bin sehr dankbar dafür.

Und damit von den Wegen zu den Wegweisern… Jeder Wanderer weiss es: je mehr Wege es gibt, desto wichtiger werden Wegweiser. Das gilt auch für die Berufswahl und darum gibt es die Berufsberatung. Wir machen hier nicht «l’art pour l’art», sondern begleiten die jungen Menschen bei der Berufswahl. Einerseits mit Blick auf die jungen Menschen und deren Wünsche und Fähigkeiten, andererseits mit Blick auf die Anforderungen und Wünsche der Wirtschaft.

Nachhaltig wird’s dort, wo sich aus diesen beiden Blickwinkeln ein stimmiges Bild ergibt. Deshalb ist die enge Orientierung an den Bedürfnissen der Wirtschaft keine Absage an die Wünsche und Träume der Jugendlichen, sondern die Voraussetzung dafür, dass sich später Wünsche und Träume erfüllen lassen.

Seit Marshall McLuhan wissen wir, dass das Medium den Inhalt massgeblich ausmacht. Das erhoffe ich mir natürlich auch durch die Elektrifizierung der Berufsdossiers: Dass die Berufsbildung so rüberkommt, wie sie ist: modern, dynamisch, elegant, cool und clever. Dazu gehört auch eine moderne Verpackung. — «The Medium is the Message»: Auch die Verpackung ist wichtig. Das weiss auch das BIZ.

Damit die Botschaft immer wieder ankommt, braucht es Beweglichkeit und Innovationsfreude. Das BIZ sucht diese Beweglichkeit und diese Freiräume. Ich bin dem BIZ sehr dankbar dafür. Wer Gutes bewahren will, darf Veränderungen nicht scheuen.