Ich kann mich an viele Samstage in meiner Kindheit erinnern, an welchen Blockflötenspiel aus unserer Stube drang. In der Stube sass mein Vater, damals Leiter der Musikschule Steinhausen, vor einem mehr oder weniger nervösen Kind. Dieses musste sein Können an der Blockflöte unter Beweis stellen und sich so den Zugang zum Unterricht an einem «richtigen» Instrument erspielen. Üblicherweise ging dieses Übergangsritual glücklich aus und die jungen Solisten verliessen unser Haus nach erfolgter Flötenprobe mit gestärktem Selbstbewusstsein und voller musikalischem Tatendrang.

Und in der Gegenwart? Mächtig hat das Stimmvolk zur Verankerung der musikalischen Bildung in der Bundesverfassung ja gesagt. Als Anhänger der kantonalen Bildungshoheit machte und macht mir der Entscheid natürlich nicht nur Freude, doch freut mich das grundsätzliche Ja zur Musik in der Schule natürlich trotzdem. Was die Umsetzung anbelangt, stelle ich fest, dass wir im Kanton Zug bezüglich Musik schon auf einem sehr guten Stand sind. Ich denke da etwa an die musikalische Frühförderung, an die Animation Schulmusik oder eben an die Musikschulen in den Gemeinden.

Meine Hoffnung besteht darin, dass das Ja der Schweizerinnen und Schweizer zum Singen und Musizieren bereits im Lehrplan 21 seinen Niederschlag findet, der durch die Kantone gestaltet wird. Die Kantone verfügen in der Bildungspolitik gegenüber dem Bund über die längere Erfahrung und sind der Schule natürlich näher.

Irgendwie zeigt mir das Abstimmungsresultat – aber vor allem auch die vorliegende Schulinfo zum Thema Musik in der Schule – dass zu einer kompletten Klassenlehrperson auch eine Musikausbildung gehört. Wie kann eine Lehrperson Gesang und Musizieren natürlich in den Schultag einweben, wenn sie nicht spontan ein Lied anstimmen oder zu einem Tänzchen ansetzen kann? Ist sich die angehende Lehrperson, die in ihrer Ausbildung Musik als Fach ausschliesst, bewusst, auf welchen Zugang zum Kind sie damit verzichtet? Und ist ein wenig Rhythmusgefühl nicht auch für den Unterricht in den übrigen Fächern wichtig? Ich kann diese Fragen hier nicht abschliessend beantworten. Die Debatte darüber scheint mir aber wichtig.

Zuletzt bin ich Ihnen noch meine persönliche Stuben-Flöten-Erfahrung schuldig. Leider kam es in meinem Fall nie zur eingangs erwähnten Prüfungssituation. Mein Vater hatte ein Jahr zuvor Musikgehör bewiesen und mich aus dem Blockflötenunterricht ins Fussballtraining entlassen. Zur Meisterschaft habe ich es weder im einen noch im anderen Fach gebracht.