Ich freue mich ausserordentlich, dass ich heute bei Ihnen – hier am schönen Zugersee – sein darf. Gerne überbringe ich Ihnen die besten Grüsse und Wünsche des gesamten Zuger Regierungsrates.

Lieber Peter Müller, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes (SPD), herzlichen Dank für Deine Gastfreundschaft und vor allem auch für Deine Arbeit. Ein ganz besonderer Dank geht an Doris Ohlwein vom SPD, die diesen Anlass umsichtig und mit grosser Einsatzfreude überhaupt erst möglich machte. Liebe Doris, ich danke Dir sehr herzlich für Deine grosse Arbeit. Schön, dass Du bei uns im Team bist!

Ich komme gerade aus der Kantonsratssitzung und werde nach dem Mittagessen auch wieder an die Sitzung zurückkehren.

Das Thema Integration ist ein wichtiger Punkt auf der nationalen und kantonalen bildungspolitischen Agenda. Auch im Kanton Zug ist zum Stand und zur Wirksamkeit bzw. zur Auswirkung der Integration eine Interpellation hängig. Ich habe sie noch nicht beantwortet.

Das Zuger Schulgesetz erlaubt es den Gemeinden nach wie vor, Kleinklassen zu führen. Einige tun es, einige kennen Auszeitmodelle wie bspw. eine Insellösung, an den meisten Orten wird integriert. Eine erste Untersuchung zur Intergration in Baar, durch die Schule selbst in Auftrag gegeben, zeigt ein grundsätzlich positives Bild, wobei auch kritische Punkte sichtbar werden… so zum Beispiel die herausfordernde Zusammenarbeit zwischen Heilpädagogen und Lehrperson.

Meine Meinung ist ziemlich klar: Wo man dem betroffenen Kind mit einer Integration gerecht wird und die Klasse – um jetzt einmal bei diesem Schema zu bleiben – sich leistungsmässig und sozial gut entwickeln kann, bin ich für die Integration.

Ist Integration immer möglich? Nein.
Ist sie grundsätzlich schlecht? Nein.

Die Wahrheit liegt vielleicht nicht in der Mitte, aber sie ist – wie so oft – vielschichtig.

Und damit kommt mein Schulpsychologischer Dienst ins Spiel. Ich weiss nicht, wie weit Sie die Schulinfo Zug zum Thema Schulpsychologie schon gelesen haben. Ich will an dieser Stelle auf die zwei Punkte eingehen, die ich dort erwähne.

Erstens auf die Tatsache, dass die diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizite just anzusteigen begannen, als in den USA neue und teurere, aber nicht wirksamere Medikamente auf den Markt kamen. Das stammt nicht von mir, sondern von Allen Frances, einem U.S. Psychiater.

Und zweitens, auf die Tatsache, dass die verantwortungsvolle schulpsychologische Beratung vor dem Hintergrund der Vervielfachung und Individualisierung der Diagnosemöglichkeiten nochmals an Bedeutung gewinnt. Peter Müller hat das auch schon pointiert mit “Individualisierungsfalle” bezeichnet.

“Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.” Dieses Zitat stammt von Victor Hugo.

Das Schulwesen als nicht-exakte Wissenschaft ist Ideen ganz besonders stark ausgeliefert. Aber Geisteswissenschaft heisst, den Zeitgeist immer wieder zu hinterfragen – und nicht, bei jedem neuen Trend mitzurennen. Ich glaube, dass Sie als Schulpsychologinnen und Schulpsychologen ganz besonders geeignet sind, über das Zeitgeistige hinaus zu denken. Warum? Psychologie hat viel Tiefgründigkeit zu tun. Auch das Schulwesen braucht Tiefgründigkeit. Sie, meine Damen und Herren, sind Experten dafür!