(8.1.21, Zuger Zeitung)

Der Bund fordert die Kantone auf, sich für weitere Massnahmen bei den Schulen vorzubereiten. Für den zuständigen Regierungsrat Stephan Schleiss ist das Schliessen der Schulen kein Thema – mit wenigen Ausnahmen.

Die neuen und womöglich ansteckenderen Virusmutationen aus England und Südafrika lassen die Diskussion um Schulschliessungen unter Experten wieder aufleben. So gibt es Vermutungen, dass diese mutierten Erreger auch leichter über Kinder verbreitet werden könnten. Zwar betonte Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien: «Wir haben nicht vor, die Schulen zu schliessen.» Wie er sagte, sollen sich die Kantone jedoch überlegen, welche zusätzlichen Massnahmen in den obligatorischen Schulen getroffen werden könnten, falls sich die Situation verschlechtert.

Denn, solange die Schweiz in der besonderen Lage weilt und nicht in die ausserordentliche Lage wechselt – wie es im vergangenen Frühling der Fall war –, liegt die Hoheit über die Schulen bei ihnen. Im Kanton Zug ist Regierungsrat und Bildungsdirektor Stephan Schleiss für die Schulen zuständig. Er wehrt sich vehement dagegen, in den Fernunterricht zu wechseln. «Ich bin ein überzeugter Verfechter der Ansicht, dass die Schulen offen bleiben sollen.» Er fügt hierbei Erhebungen an, die zeigen, dass im Fernunterricht Lernziele nicht im gleichen Masse erreicht werden konnten wie im Präsenzunterricht.

Jugendliche sind am stärksten eingeschränkt
«Zudem ist die Schule ein Ort der Stabilität. Wenn es in der Welt unsicher und ungewiss wird, brauchen Jugendliche und Kinder stabile Strukturen – wie es sie in der Schule gibt.» Und er fügt hinzu: «Bevor ich die Schule schliessen würde, würde ich ketzerisch fragen, wie sieht es mit dem öffentlichen Verkehr aus? Dieser müsste meiner Ansicht nach noch vor den Schulen geschlossen werden.» Schleiss gibt zudem zu bedenken, dass derzeit insbesondere Jugendliche, die durch Covid-19 am wenigsten gefährdet sind, am stärksten eingeschränkt werden. «Heute, mit bald 50, kann ich gut damit umgehen, zu Hause zu bleiben und ein Buch zu lesen. Hätte ich aber als 20-Jähriger nicht mehr in den Ausgang gehen und Freunde treffen können, wäre ich durchgedreht.» Entsprechend kommt für Schleiss eine Schulschliessung, wie es sie im Frühling gab, auch für die oberen Stufen der obligatorischen Schule nicht in Frage. «Dies würde ich nur auf Befehl des Bundes umsetzen.» Etwas anders sehe dies im nachobligatorischen Bereich aus. Dort könnte der Fernunterricht «allenfalls ein Szenario» werden.

Bildungsdirektion erarbeitet Massnahmen
Trotzdem seien die Schulen bereit, rasch auch in einen allfälligen längeren Fernunterricht wechseln zu können. «Zwar hätten wir nicht erwartet, dass dies nochmals Thema wird, aber wir wären gewappnet.» Nun wartet Schleiss auf die Konsultation der Kantone, die der Bund angekündigt hat. Stand Donnerstagnachmittag sei noch nichts eingetroffen. «Ich weiss derzeit auch nur aus den Medien, dass uns diesbezüglich etwas erwartet.» Trotzdem habe er bereits den zuständigen Amtsleitern den Auftrag erteilt, sich weitere Massnahmen zu überlegen. Ein Wechsel in den Halbklassenunterricht sei jedoch definitiv nicht vorgesehen. Entsprechende Überlegungen habe man im Sommer gewälzt. «Die Mittelschulen kamen jedoch zum Schluss, dass sie, sollten noch striktere Massnahmen nicht ausreichen, lieber gleich in den Fernunterricht wechseln würden. Präsenzfenster für Prüfungen müssten aber unbedingt möglich sein.» Auch einen Halbklassenunterricht werde man somit nur auf allfälligen Befehl des Bundes so einführen.

Wie weitere Massnahmen aussehen könnten, wird derzeit im Kanton Zug erarbeitet. Diese werden voraussichtlich auch innerhalb der Zentralschweiz unterschiedlich aussehen. Der Zuger Bildungsdirektor geht davon aus, dass es unter den Zentralschweizer Bildungsdirektoren keine Absprache geben wird.