Sehr geehrter Herr Leopold, sehr geehrte Frau Betz
sehr geehrte Mitglieder des Vereins Dialog-Werkstatt
sehr geehrte Mitglieder der Fachjury
sehr geehrte Damen und Herren

Im Namen der Zuger Regierung begrüsse ich Sie alle herzlich zu dieser neunten Preisverleihung des Zuger Übersetzerstipendiums und des Zuger Anerkennungspreises. Ich gratuliere dem anwesenden Preisträger Ferdinand Leopold und der anwesenden Preisträgerin Karin Betz zu dieser höchst ehrenvollen Auszeichnung, die Sie heute entgegennehmen dürfen. Ich freue mich, Sie beide im Kanton Zug begrüssen zu dürfen.

Durch Sie haben wir nämlich die grosse Chance, anderen Lebensrealitä-ten lesend auf die Spur zu kommen. Zug ist ein multikultureller Kanton. 124 Nationen teilen hier mit uns ihren Alltag. Doch was wissen wir vom kulturellen Hintergrund dieser Menschen? In den meisten Fällen wohl wenig, was über klischierte Annahmen hinausgeht, es sei denn, einige dieser Personen sind uns durch Nachbarschaft, berufliche Beziehungen, Freundschaft oder Verwandtschaft näher gekommen oder sogar vertraut geworden.

Sie als Übersetzer und Übersetzerin haben eine bedeutende Funktion: Sie agieren als Vermittelnde zwischen unterschiedlichen Kulturen. Sie bringen mit Ihrer Arbeit, die Sie diskret und ganz ausserhalb des Rampenlichts verrichten, Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche mit anderen Lebensbedingungen und Erfahrungen in unseren persönlichen Alltag. Durch Ihre Arbeit dürfen wir ungewöhnliche Lebenswelten entdecken und in deren spezifische Atmosphäre eintauchen. Sie führen uns in unbekannte Schicksale, andere politische und soziale Verhältnisse ein oder faszinieren uns durch surreale, apokalyptische oder romantisierende Gedankenspiele. Wir lernen Menschen kennen, deren Persönlichkeit und Alltag uns vielleicht nur auf den ersten Blick unverständlich scheint. Dass wir als Menschen gar nicht so unterschiedlich funktionieren, merken wir sobald wir uns auf die Lektüre einlassen.

Damit übernehmen Sie eine grosse Verantwortung. Denn Literatur ist auf vielfältige Weise interpretierbar. Sie wird auch durch die Übersetzerin oder den Übersetzer interpretiert. Ihre oder seine Perspektive und der Zeitpunkt an welchem die Auseinandersetzung mit dem Werk stattfindet, fliessen in die literarische Übersetzung ein. Literatur ist – wie jedes kulturelle Schaffen – Ausdruck derjenigen, die sich mit ihr beschäftigen. Und wie jedes kulturelle Schaffen will Literatur Bezug nehmen zur Umwelt. Sie sucht Austausch und Debatte. Die Zuger Regierung freut sich, wenn die kantonale Kulturförderung mit ihren Ressourcen dazu beitragen kann, zu hinterfragen und zu diskutieren sowie das Interesse an Anderem und Neu-em zu fördern. Aus China und Rumänien leben über 200 Personen hier. Es ist deshalb sehr wertvoll, dass mit den beiden gewürdigten Überset-zungen für viele Schweizerinnen und Schweizer, Zugerinnen und Zuger der Zugang zur chinesischen und rumänischen Kultur ermöglicht wird. So stärkt Kulturförderung nebst vielem anderen auch das interkulturelle Verständnis, Toleranz und Respekt in unserer Gesellschaft.

Ich danke dem Preisträger und der Preisträgerin ganz herzlich für ihren Beitrag an dieses für unsere Gesellschaft wichtige Anliegen. Ich danke Ihnen beiden zudem für Ihre herausragende Leistung und die bewegenden Inhalte und Bilder, die Sie uns Lesenden mit Ihren Übersetzungen offenbaren.

Bevor ich das Wort weitergebe an Frau Sigrid Löffler, möchte ich den bei-den Preisträgerinnen des Contenance-Preises, Helene Lehmann und Angela Schader, herzlich gratulieren. Auch sie tragen mit ihrem unermüdlichen Engagement seit Jahren zum Ansehen der Literatur und ihrer Wert-schätzung bei. Ich danke Ihnen für Ihren Enthusiasmus und Ihr Wirken.

Danken möchte ich auch dem Verein Dialog-Werkstatt Zug als Träger des Zuger Übersetzer-Stipendiums, allen voran dem Präsidenten Jürg Scheuzger für seinen kontinuierlichen Einsatz rund um die Literatur. Sehr geschätzt wird auch das Engagement von Herrn Bruno De Nicoló, der den Contenance-Preis verantwortet. Das Gelingen und Wirken der Kunst ist zentral mit dem Engagement gewisser Menschen verknüpft, was sehr wertvoll ist.

Ihnen allen danke ich für Ihr Kommen und wünsche Ihnen einen guten Tag.