(3.8.22, Vorwort im Jahresbericht der Stiftung Ziegelei-Museum)

Was ist grau bis rötlich und schlecht für die Zähne? Ein Lehmziegel. Einigen dürfte auch der Witz «am Bachme sin Ziegel» noch bekannt sein, wo es einem Ziegel über eine Kette von Witzen bis zum gloriosen Auftritt in der Schlusspointe reicht. Lehm und Ziegel sind alles andere als eine trockene Angelegenheit. Davon konnte ich mich schon mehrmals vor Ort im Ziegelei-Museum überzeugen. Einmal, nämlich 2017, waren wir mit der ganzen Bildungsdirektion zu Besuch und durften das Museum mit Kopf, Herz und Hand erleben.

Kopf, Herz und Hand? Als Bildungsdirektor ist mir die Dreiheit Pestalozzis nahe. In Ansätzen lebt diese Dreiheit ja auch in den Kompetenzen bzw. der Kompetenzorientierung im Lehrplan 21 weiter. Im Lehrplan 21 werden die Ziele der Volksschule in Kompetenzen beschrieben, mit dem Ziel, dass es beim Lernen nicht nur um Wissen sondern auch um Können und Wollen gehen muss. Ich weiss, ich kann, ich will: der politische Slogan zum Lehrplan 21 ist jedenfalls nicht weit weg von «Kopf, Herz und Hand». Pestalozzi bleibt aktuell. Gut so.

Beginnen wir mit dem, was Johann Heinrich Pestalozzi am wichtigsten war – mit dem Herz. Es geht ums Gemüt, um Empfänglichkeit für Geistiges und Seelisches, fürs Gute, fürs Schöne. Das Herz: ein veraltetes Konzept oder nach wie vor die Grundlage fürs beherzte Hinschauen und Handeln? Entscheiden Sie selbst. Aber zurück zum Thema. Wie war das bei mir, als ich zum ersten Mal vom Ziegelei-Museum hörte? Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Ziegeleikeramik in Ehren, aber ein Museum dazu? Mein erster Gedanke und ehrlich gesagt auch der zweite: sperrig. Dann die Begehung und das Erlebnis vor Ort. Die einzigartige Lage, die Anordnung, die einladenden Gebäude. Die freundlichen Menschen. Die lebendige Präsentation. Die Kraft aus der Tiefe der Sache. Der neue Blick auf den Gegenstand. Das Ziegelei-Museum hat mich berührt.

Dann der Kopf. Die Fachlichkeit, die in Ausstellungen und Publikationen gleichermassen kondensiert. Das Museum als Spartenmuseum zum Thema Lehmverarbeitung. Das Museum als Dokumentationsstelle für das Zieglerhandwerk und die Ziegelindustrie, als Fachstelle für historische Baukeramik, aber auch als Ort, wo sich der wissenschaftliche Blick in die Zukunft und auf die nachhaltige Bauweise richtet. Die Jahresschrift «Ziegelei-Museum» als Grundlage für Forschungsarbeiten. Das Museum als Anlaufstelle für Fachleute aus Denkmalpflege und Archäologie aus ganz Europa, nicht zu vergessen die Expertise für das Bundesamt für Kultur und kantonale Denkmalpflegen und Kantonsarchäologien. Kurz: mehr Fachlichkeit geht nicht.

Zuletzt die Hand. Bildung und Vermittlung. Nach dem Neubau des Ziegelei-Museums im Jahr 2013 wurde dieser Bereich massiv ausgebaut. Kulturgeschichte zum Anfassen! Mit dem Betreten der Ziegelhütte werden aus den Schülerinnen und Schülern Zieglerbuben und Zieglermädchen. Eingekleidet in die Arbeitskleidung der Ziegler und ausgerüstet mit den spezifischen Werkzeugen, erleben sie die Arbeitsabläufe vom Lehmstechen bis zur manuellen Herstellung eines Ziegels. In der Pause der Realitätscheck, wenn sich die Kinder als Dachdeckerinnen und Dachdecker üben. Begeisterung, wohin man auch blickt.

Und ganz zuletzt das Beizli. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Das ist jetzt zwar nicht Pestalozzi, aber so viel kulturelle Offenheit muss sein.

Mein Dank geht an alle Menschen, die das Ziegelei-Museum möglich machten und machen. Ein grosses Dankeschön gebührt allen Sponsorinnen und Sponsoren und dabei speziell der Alfred Müller AG für ihr enormes privates Engagement. Ab 2022 hilft auch der Kanton Zug mittels Subventionsvereinbarung mit, die Vielfalt des Kulturprogramms sicherzustellen und das Angebot den heutigen Bedürfnissen entsprechend auszubauen. Das Ziegelei-Museum, so heisst es dazu in der Begründung der Regierung, ist eine kulturelle Institution mit kantonaler Relevanz sowie nationaler und internationaler Ausstrahlung.

Ich freue mich schon heute auf meinen nächsten Besuch!