Ich heisse Sie alle auch von meiner Seite her ganz herzlich willkommen zum diesjährigen Sportforum. Ich freue mich, dass Sie der Einladung so zahlreich Folge leisten konnten. Sie geben mit Ihrer Anwesenheit ein kraftvolles Bekenntnis zum Sport im Kanton Zug ab.

Ich habe im Vorwort der Sport News über das neue Bundesgesetz in Sachen Sportförderung orientiert und dessen Auswirkungen für den Sport im Kanton Zug aufgezeigt. Es bereitet mir Sorgen, dass der Bund immer mehr seine Zurückhaltung ablegt, wenn es darum geht, in die Kompetenzen der Kantone einzugreifen. Erst kürzlich wieder hat er in die Schulhoheit der Kantone eingegriffen, indem die Anzahl Turnstunden weiterhin auf Bundesebene geregelt bleiben soll. Das ist vom Staatsaufbau her völlig falsch. Bei keinem anderen Schulfach gibt es einen solch sinnwidrigen Bundeseingriff – im Moment noch. Leider steht uns der nächste Eingriff bereits bevor – mit der Volksinitiative «Jugend + Musik». Auch hier ist zu befürchten, dass das Bundesparlament irgend einen Kompromiss ausarbeitet, anstatt zu sagen: «Es gibt gar nichts zu regeln, das ist Sache der Kantone!» Es ist wohl der Fluch der sympathischen Sache. Sport oder Jugendmusik sind sympathische Anliegen. Es existieren von keiner Seite her Bestrebungen, diesen Anliegen bestehende Unterstützung streitig zu machen. Aber weil es sympathische Anliegen sind, wird sich in Bern kein Politiker aus staatspolitisch guten Gründen gegen eine Kompetenzverschiebung von den Kantonen zum Bund aussprechen. Für den Politiker gäbe es mit dieser korrekten Haltung nämlich nichts zu gewinnen; im Gegenteil, man riskierte höchstens, falsch verstanden und am Schluss gar als Feind der Sportförderung oder der Jugendmusik gebrandmarkt zu werden. Leider wirken sich solche Kompetenzverschiebungen am Ende trotzdem gegen die Sache aus – da bin ich mir sicher.

Auch am vergangenen Wochenende ist über eine eidgenössische Vorlage abgestimmt worden, die einiges mit dem Sport zu tun hat. Der «Bundesbeschluss über die Regelung von Geldspielen» ist der Gegenvorschlag des Bundesparlaments zur Volksinitiative «Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls», die dann prompt zurückgezogen wurde. Die Vorlage ist sehr deutlich, mit 87 Prozent Zustimmung und in allen Ständen angenommen worden. Das ist auf den ersten Blick natürlich schön; das Schweizer Volk hat mit der deutlichen Zustimmung seine Sympathie für den Sport zum Ausdruck gebracht. Aber dieser Beschluss hat auch seine Schattenseite. Er ändert nichts zugunsten des Sports. Es ist bereits heute so: alle Kantone haben sich in einem gemeinsamen Vertrag – einem Konkordat – verpflichtet, die Erträge aus Sport-Toto und Lotto für sportliche, kulturelle und gemeinnützige Zwecke zu verwenden. Neu redet jetzt einfach der Bund mit. Ich wäre sehr überrascht, wenn er sich langfristig nicht auch noch in die Verteilung der Gelder einmischen würde. Gemäss Abs. 7 der neuen Verfassungsbestimmung müssen sich die Kantone und der Bund koordinieren. Die Hälfte der Stimmen gehören dem Bund, die andere Hälfte den Kantonen. Hoffen wir einfach, dass der Bund nicht Appetit darauf bekommt, Beiträge an Sportvereine mit Auflagen zu verknüpfen – beispielsweise solchen aus dem Bereich der Gesundheitsprävention. Es darf nicht sein, dass der Sport zusätzlichen Ansprüchen gerecht werden muss – zumal diese oft gar zeitgeistig sind. Die Unterstützung eines Fussballvereins darf auch in Zukunft nicht davon abhängen, ob sich dieser bei irgendeiner Kampagne gegen das Übergewicht, für den Weltfrieden oder gegen die Umweltverschmutzung beteiligt. Der Fussballer spielt Fussball aus Freude und nicht aus dem Drang heraus, die Welt zu verbessern. Würde er die Welt verbessern wollen, dann ginge er wohl gescheiter nach Bern und würde sich dafür einsetzen, dass die Kompetenzen der Kantone beschnitten werden – und zwar völlig unnötigerweise dort, wo heute schon alles zum Besten bestellt ist.

Bei aller Kritik an der Verknüpfung von Sport und gesellschaftlichen Problemen, gibt es auch Bereiche, wo die Sportförderung mit zusätzlichen Auflagen verbunden werden muss. Dort nämlich, wo es sich um Sport-spezifische Probleme handelt. Ich denke da an die Doping-Problematik oder an die Gewalt bei Sport-Grossveranstaltungen. Das neue Bundesgesetz bringt im Bereich des Dopingmissbrauchs gute Instrumente. Man reduziert den Datenschutz und verschärft die Strafnormen. Beides übrigens Themen, die in die Zuständigkeit des Bundes fallen und die Kantone gar nicht mehr selber regeln dürfen. Sie sehen, auch wenn ich vorher gegenüber dem Bund sehr kritisch war, alles machen sie dort auch nicht falsch.

Aber mein Fazit bleibt: Auf lange Sicht schadet die Hyperaktivität des Bundesparlaments dem Sport, weil immer Gefahr besteht, dass der Sport als sympathischer Träger von anderen Anliegen missbraucht wird. “Alles Gute kommt von oben”, das trifft bei der Sportförderung überhaupt nicht zu. Das Gegenteil ist wahr: “Alles Gute kommt von unten.” Ohne die Vereine würde im Sport gar nichts gehen. Deshalb stehen die Vereine auch im Zentrum der Zuger Sportförderung; und dort werden sie auch bleiben.

Ich darf Ihnen zum Schluss noch die besten Grüsse des gesamten Zuger Regierungsrates überbringen. Die Regierung freut sich, dass es im Kanton Zug ein so grosses und vielfältiges Sportangebot gibt. Und wir sind uns bewusst, dass hinter diesem Angebot die zahlreichen Vereine stehen und hinter den Vereinen wiederum sehr viel ehrenamtliches Engagement. Dafür danken wir Ihnen herzlich.

Ich wünsche uns allen jetzt ein spannendes Sportforum und freue mich auf den persönlichen Kontakt beim Apéro.