Der Kanton Zug ist ein erfolgreicher Kanton. Er ist sowohl als Wirtschaftsraum wie auch als Lebens- und Wohnraum höchst attraktiv. In den letzten 20 Jahren ist seine Bevölkerung über 30 Prozent gewachsen. Ein derart starkes Wachstum hat auch auf die Archäologie und deren Vermittlung Einfluss – und zwar in zweierlei Hinsicht.

Erstens geht das Wachstum immer auch einher mit Bauvorhaben. Diese machen oft Not-Grabungen unvermeidlich, damit die speziellen Bodenschätze aus längst vergangenen Zeiten gesichert werden können. Das ist der offensichtliche Einfluss auf die Archäologie. Etwas weniger offensichtlich ist der Einfluss des Wachstums zweitens im Zusammenhang mit der Vermittlung dieser Bodenschätze. Eine Region, die so starker Zuwanderung ausgesetzt ist wie der Kanton Zug, muss auch um ihre Identität ringen. Die Vermittlung der kulturellen Wurzeln leistet einen wichtigen Beitrag zur Wahrung der eige-nen Identität.

In der Geschichte der Fundstelle Cham-Hagendorn kommen beide erwähnten Aspekte zum Tragen, obschon die Entdeckung dieser Fundstelle fast 70 Jahre zurück liegt. In den Jahren 1944/45 waren Arbeiter damit beschäftigt, die sumpfige Ebene am Nordrand des Rumentiker-Wäldchens trockenzulegen. Die Ebene sollte für die Anbauschlacht urbar gemacht werden. Dabei stiessen sie auf mächtige Eichenpfähle und auf römische Tonscherben. Sie riefen Michael Speck, den Konservator des Museums für Urgeschichte, herbei. Dieser leitete sofort eine Notgrabung in die Wege. Es wurde klar, dass es sich bei den hölzernen Bauteilen, um die Teile von Wasserrädern handelte. Sie gehörten zu einer Mühle aus römischer Zeit. Das war eine eigentliche Sensation, weil solche Funde ausgesprochen selten sind – damals wie auch heute noch! In den Jahren 2003 und 2004 wurde an derselben Stelle erneut gegraben. Die bevorstehende Erweiterung einer Fensterfabrik machte den Untersuch einer grossen Fläche durch die Zuger Kantonsarchäologie notwendig. Wiederum kamen sensationelle Funde zum Vorschein. Die über 20 Tonstatuetten römischer Gottheiten sind mittlerweile nicht nur der Zuger Bevölkerung bekannt, sondern haben in der Wanderausstellung «Merkur & Co.» verschiedene Regionen in der Schweiz und sogar Frankreich bereist.

Die neuen Funde gaben 2008 den Anlass, die Fundstelle umfassend wissenschaftlich zu bearbeiten. Dabei nahm man auch die alten Funde noch einmal genau unter die Lupe. Das Museum für Urgeschichte(n) ist verantwortlich für die Funde der Ausgrabung der 1940er Jahre, welche in seiner Sammlung liegen; die Kantonsarchäologie Zug betreut die Neufunde der Grabungen 2003 und 2004. Neben den beiden Projektleite-rinnen Caty Schucany und Ines Winet sind zahlreiche weitere Wissenschafter an der Auswertung beteiligt. Ihre Ergebnisse sollen in einer gemeinsamen Publikation münden. Die Manuskripte der Fachleute liegen vor und es gilt nun, die einzelnen Ergebnisse zu einer Synthese zusammenzuführen. Letztlich sollen sie uns Aufschluss darüber geben, was vor 1800 Jahren in Hagendorn geschah.

Es gibt immer noch Rätsel: Wer errichtete dort eine Mühle und was wurde gemahlen? Und für wen wurde gemahlen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Mühle, dem Heiligtum und dem Pfirsichbaum? Was bedeuten die vielen Eisenschlacken? Warum stehen die Gebäude im Wald?

Das Kantonale Museum für Urgeschichte(n) und die Zuger Kantonsarchäologie haben Fachleute aus dem In- und Ausland eingeladen, um diese Fragen zu diskutieren. Es freut mich sehr, dass Sie so zahlreich den Weg nach Zug gefunden haben. Ich wünsche Ihnen eine spannende Tagung und einen angenehmen Aufenthalt hier im Kanton Zug.

Dem Auswertungsteam wünsche ich viel Erfolg. Ich freue mich, dass die archäologischen Funde aus Hagendorn nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der römischen Wirtschaftsgeschichte leisten können, sondern über Ihre Vermittlung an die Zuger Bevölkerung auch kulturelle Identität stiften werden. Ganz zum Schluss darf ich Ihnen die Grüsse des gesamten Zuger Regierungsrates überbringen und Sie nun zum Apéro einladen.