«Das Herz gibt allem, was der Mensch sieht und hört und weiss, die Farbe.» Dieses Zitat von Johann Heinrich Pestalozzi hören Sie, liebe Diplomandinnen und Diplomanden, nicht zum ersten Mal aus meinem Mund. Ich habe mich schon anlässlich Ihres Berufseinführungstage bei Pestalozzi bedient.

Das Zitat ist mir aber auch sehr wichtig. Als Bildungsdirektor brauche ich Lehrerinnen und Lehrer, die ein grosses Herz haben. Und vor allem brauchen die Kinder Lehrerinnen und Lehrer, die ein grosses Herz haben.

Das gute und das grosse Herz – das ist die Klammer um Ihre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen.

…und jetzt komme ich zu etwas Neuem.

Für die Menschenführung — und das werden Sie als Lehrerinnen und Lehrer ja ganz intensiv machen — sind in meinen Augen vier Aufgaben wesentlich. Modern gesagt würde man vielleicht eher von «Handlungsfeldern» sprechen, aber für mich sind das durchaus Aufgaben.

Die erste Aufgabe: Haben Sie Vertrauen. Sie werden Ihre Schülerinnen und Schüler schon bald sehr gut kennen. Aber vergessen Sie nicht, dass Sie trotz allem nicht in die Schülerinnen und Schüler hineinschauen können. Ein Mensch bleibt immer auch ein Mysterium und etwas Verstecktes, etwas Unerklärliches und Unzugängliches. Darum ist das Vertrauen so wichtig. Geben Sie Ihren Schülerinnen und Schülern immer zu verstehen und zu spüren, dass Sie ihnen vertrauen.

Die zweite Aufgabe: Halten Sie Spannung aus. Lassen Sie sich durch Spannungen zwischen Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern nicht irritieren — halten Sie diese Spannungen aus. Kinder und Jugendliche wollen sich an den Erwachsenen reiben können. Sie wollen auch Widerstand spüren und an diesem Widerstand wachsen. Es ist wie mit dem Strom: Ohne Spannung kann auch nichts laufen. Spannungen sind also immer auch ein Zeichen, dass etwas läuft zwischen Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern. Das ist viel besser als Gleichgültigkeit.

Die dritte Aufgabe: Setzen Sie Ziele. Wenn man Menschen führt, ist man diesen Menschen Ziele schuldig. Sie sind jeder Schülerin und jedem Schüler ein Ziel schuldig, auf das Sie mit ihr oder ihm hinarbeiten. Und es lohnt sich ganz bestimmt, hohe Ziele zu setzen. Nicht für alle das gleiche Ziel, aber für alle ein hohes Ziel. Sie werden sich wundern, wie weit es Ihre Schülerinnen und Schüler schaffen. Und Sie werden darauf zu Recht stolz sein.

Ich komme zur vierten und letzten Aufgabe: Pflegen Sie Beziehungen. Suchen Sie immer wieder nach Möglichkeiten, mit Ihren Schülerinnen und Schülern auch neben dem Unterricht ins Gespräch zu kommen. Sei es beim Wandtafel putzen oder sonst bei einem Ämtchen oder bspw. auch als Pausenaufsicht — schaffen Sie immer wieder Raum für die Beziehungspflege. Die Schülerinnen und Schüler lieben solche informellen Momente; und zu einigen Kindern sind solche Momente der Schlüssel überhaupt.

Vertrauen haben – Spannung aushalten – Ziele setzen – Beziehungen pflegen…

… und Ihr Herz, liebe Diplomandinnen und Diplomanden… Ihr Herz bildet die grosse und feste Klammer um diese vier Aufgaben herum!

Das wünsche ich Ihnen und Ihren zukünftigen Schülerinnen und Schülern ganz fest – und natürlich von ganzem Herzen.