Letztes Jahr habe ich meine Ausführungen damit begonnen, dass Historiker und Archäologen ein dankbares Publikum für alte Witze sind. Heute ziehe ich mutig den Umkehrschluss und behaupte, dass Historiker und Archäologen kein gutes Publikum für neue Witze sind – so dass ich Ihnen das gerne erspare.

Meine Damen und Herren, sehr gerne überbringe ich Ihnen die besten Grüsse und die Gratulation des Regierungsrats zu der vorliegenden Publikation. Ganz herzlichen Dank allen, die sich für dieses Werk eingesetzt haben, die an diesem Werk mitgearbeitet haben.

Ich bin mir sicher, dass die Historiker der Zukunft die Erfindung des Internets dereinst auf die gleiche Stufe wie die Erfindung des Buchdrucks setzen werden. Wie der Buchdruck, wird auch das Internet zum Medium von Auf-, Um- und Zusammenbrüchen – wie uns die Entwicklungen und Spannungen, die wir in den letzten Jahren und bis heute etwa im Nahen Osten und im nördlichen Afrika erleben, zeigen. Diese wären ohne die Neuen Medien und die Datenautobahn Internet nicht denkbar. Neu ist aber nicht nur die Daten- und Informationsmenge, die uns zur Verfügung steht, neu ist auch das Tempo, mit welchem sich Innovationen und Errungenschaften – seien es jetzt gute oder schlechte – rund um den Erdball verbreiten.

Beim Buchdruck war das noch anders. Zwar soll es in Basel schon 1464 – und das weiss ich jetzt natürlich aus dem Internet – eine Druckerei gegeben haben, bis der Buchdruck in Zug ankam, dauerte es dann aber noch eine ganze Weile.

Auch die Schule, meine Damen und Herren, verändert sich mit ihrem Umfeld, mit dem Schwingen des Pendels der Technologie und dem Zeitgeist, der irgendwie mit dem Pendel mitschwingt, manchmal gleichauf und meistens hinterher und manchmal so weit hinterher, dass der Zeitgeist der Technologie schon fast wieder voraus ist.

Und irgendwo in diesem Meer der Ansprüche und Veränderungen kreuzt auch das Schiff der Schule. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Deshalb ist es wichtig, das Bestehende immer wieder herauszustreichen.

Es gibt sicher zwei zeitlose Aussagen, die ich gefahrlos machen kann.

Die Kinder sind sozusagen der Fixstern des Schulwesens. Die Kinder sollen, so hat das Albert Einstein vor über siebzig Jahren wunderbar formuliert, zu eigenständig denkenden und handelnden Individuen herangebildet werden, die ihre höchste Erfüllung im Dienst an der Gemeinschaft finden. Das ist sicher eine zeitlose Aussage.

Es gibt noch eine zweite. Die Bildungsforschung ist sich in vielen Fragen uneins – sie ist ja auch keine exakte Wissenschaft. In einem Punkt aber stimmen die Bildungsforscherinnen und -forscher jedoch überein: Zentral für den guten Unterricht sind nicht die Strukturen, sondern die Lehrerinnen und Lehrer. Ich habe in diesem Jahr schon über dreissig Schulbesuche gemacht. Meine Beobachtungen decken sich zu hundert Prozent mit der Bildungsforschung – was ja auch nicht immer der Fall ist.

Daraus leite ich eine ebenso zeitlose Forderung an die Bildungspolitik ab: Die Aufgabe der Bildungspolitik war es, ist es und wird es immer sein
– den Lehrerinnen und Lehrern den Rücken freizuhalten,
– den Bildungsteller nicht zu überladen
– und sich vom Pendelflug des Zeitgeists nicht allzu schnell auf den Holzweg führen zu lassen.

Dazu ist vor allem eines notwendig: Die sorgfältige und unvoreingenommene Beschäftigung mit den jeweiligen Forderungen und Gegenständen. Gerade so, wie Sie es mit dem TUGIUM immer wieder machen.